der Herbst ist da

Der Oktober hat uns mit warmen Temperaturen und – zumindest hier bei uns – mit wohliger Sonne begrüßt.

Das täuscht jedoch nicht darüber hinweg, dass der Sommer vorbei und der Herbst nun wirklich da ist. Wir bemerken dies am Nebel, der allabendlich von den Wiesen aufsteigt, an nassen Sitzkissen am Morgen (die draußen liegen gelassen wurden), am Geruch, der in der Luft liegt. Gänse und Kraniche sammeln sich rufend, die Schwalben sind bereits weggezogen.

Herbstfarben

Sonnenlicht trifft auf rotes Weinlaub

Es beginnt die Zeit des Abschieds. Die bis vor kurzem noch nach außen gerichtete Energie des Wachsens und Erntens wendet sich nun nach innen. Wir dürfen  loslassen. Wie die Bäume ihre Blätter fallenlassen, darf auch bei uns nun gehen, was sich überlebt hat.

Welche Projekte, Dinge und auch Menschen in deinem Leben gibt, es, die ihre „beste Zeit“ hatten? Was ist für dich noch brauchbar und darf bleiben, vielleicht als Samen für das nächste Jahr? Und was ist vollendet, hat dich vielleicht gar in diesem Jahr behindert und dir Kraft geraubt? Das darf nun mit Dankbarkeit angeschaut und dann losgelassen und fortgeschickt werden.

Advertisements

Zeit der Ernte

Sicherlich merkst du es auch: Der Herbst streckt seine Fühler nach uns aus.

Zeit also, die Ernte einzufahren!

Himbeeren

Himbeeren

In meiner Region werden jetzt die Erntefeste gefeiert. Jedes Wochenende fahren mehr oder weniger prächtig geschmückte „Erntewagen“ durch die Gegend. An Bord jede Menge laute Musik, fliegende Bonbons, feiernde Menschen. Schon das Schmücken der Wagen wird von vielen Teilnehmenden mit jeder Menge Alkohol begossen. Ich frage mich, wer von denen, die dabei sind, tatsächlich noch Danke sagt für die Ernte des Jahres, für die Früchte, die eingebracht wurden.

Vogelbeeren

frisch gepflückte Vogelbeeren

Und du? Was sind deine Früchte des Jahres?
Es kann ungeheuer (ent-)spannend sein, sich mal bewusst zu machen, was man im Jahreszyklus alles geerntet hat seit dem letzten Winter. Vieles rauscht ja einfach so an uns vorbei, so dass wir manchmal das Gefühl haben, in der Fülle unserer Aufgaben und Projekte gar nichts wirklich geschafft zu haben.

Halte doch mal einen Moment inne und frage dich:

  • Welches Projekt habe ich zum Abschluss gebracht?
  • Wo und wann habe ich richtig gut für mich gesorgt?
  • Welche Freundschaften habe ich geschlossen, welche vielleicht erneuert?
  • Und welche besonderen Momente mit lieben Menschen habe ich erlebt?
  • Habe ich ein Ziel erreicht? Kann auch ein kleines sein 😉
Apfel

knackiger Apfel

Kann man das essen?

Ich habe geerntet, Vogelbeeren. Daraus will ich in diesem Jahr eine Marmelade kochen. Habe ich noch nie gemacht, und bin schon gespannt, wie sie schmecken wird.
20130917-171434.jpg
Ich weiß nicht, warum sich so hartnäckig das Gerücht hält, Vogelbeeren, also die Früchte der Eberesche, seien giftig. Auch ich habe es so gelernt. Und kämpfe nun gegen meine lebenslangen Vorbehalte und leichtes Unbehagen an. Denn in vielen Büchern über essbare Wild- und Heilpflanzen steht ganz anderes zu lesen. Und ich bin neugierig und will das ausprobieren 🙂 .

Vielleicht liegt es ja (mit) daran, dass wir immer weniger wirkliches Wissen und dafür immer mehr Halbwahrheiten über die Natur haben, dass wir uns (als Gesellschaft) in der Natur zunehmend weniger wohl fühlen? Dass wir immer mehr drinnen hocken, eher ins Spaßbad oder Erlebnisparadies gehen, als einfach raus in Wald und Flur? Wenn mich als Mensch etwas verunsichert, setze ich mich dem nicht unbedingt aus. Oder nur in dem Rahmen, der mir sicher und vertraut erscheint. Das ist menschlich. Und schützt uns im Zweifel vor Gefahren.

Aber wenn immer mehr Vorsicht dazu führt, dass wir uns immer mehr von der äußeren Natur entfernen, und immer mehr nur dem vertrauen, was uns von Industrie und Wirtschaft vorgesetzt wird, kann das nicht gut sein. Schließlich sind wir selbst ein Teil der Natur! Warum vertraue ich dem Fruchtjoghurt im Plastikbecher aus dem Kühlregal mehr, als dem, was ich in Feld und Flur finden kann?

Nicht, dass ich falsch verstanden werde: ich fordere nicht auf, wild mit Pflanzen rumzuexperimentieren, die man nicht kennt. Das könnte durchaus fatal enden. Aber: Ein bisschen mehr Vertrauen in das, was uns die Natur gerade jetzt im Herbst schenkt, halte ich schon für angebracht! Zumal wir uns ja wirklich an allen Ecken und Enden informieren können.

vogelbeeren verlesen

Vogelbeeren verlesen

Die Vogelbeeren jedenfalls warten nun verlesen und gewaschen in der Gefriertruhe auf ihre Weiterverarbeitung (das Einfrieren soll ihnen die Bitterkeit nehmen, mal gucken, ob es klappt). Ihr werdet es erfahren, wenn ich den Genuss der Marmelade überlebt habe 😉 !

August – Erntemonat und Zeit der Fülle

Jetzt im August wird die Getreideernte eingebracht, die Beeren reifen und stehen in voller Pracht, es gilt zu ernten, zu staunen und in Fülle zu schwelgen. Aber auch die ersten Vögel machen sich bereits wieder auf den Weg in den Süden, Abschied und Herbst liegen fein wahrnehmbar in der Luft.

Es ist auch die Zeit, die eigenen Früchte anzuschauen, Projekte, die angestoßen, Samen, der gelegt wurde. Wie weit sind sie gediehen? Ist alles gut gewachsen? Oder ist auch das eine oder andere verdorrt, von dem man sich jetzt besser trennt? Auch am Apfelbaum gelangt nicht jede Frucht zur vollen Reife. Das ist sinnvoll, denn so bricht der Baum nicht an Überlastung zusammen. Außerdem haben die verbleibenden Äpfel (= Projekte!) mehr Energie, um zu voller Schönheit heranzureifen.

Machen Sie sich doch bei einem Spaziergang in der Natur die eigene anstehende Ernte bewusst! Was wollen Sie noch zur Reife bringen? Welch Überfluss ist da, den Sie mit vollen Händen weitergeben können? Welche Projekte und Ziele sind reif, schillern in den schönsten Farben und warten darauf, „geerntet“ zu werden? Und wo ist es besser, sich von etwas zu trennen, etwas abzuschließen, das übers Jahr vielleicht mickrig geblieben ist? Oder sich vielleicht sogar als giftig herausstellt?

Und vielleicht gibt es ja auch den einen oder anderen Samen, der aufgegangen ist, ohne dass es richtig bemerkt wurde. Wenn wir jetzt bewusst hinschauen, könnte er sich zu einem wahren Schatz entwickeln.

Genießen Sie Ihren August!